Es ist Anfang November und wir sind mitten im Versand unserer Adventskalender.

Ehrlich gesagt habe ich damals, im Januar 2015, nie gedacht, dass aus meiner kleinen Foodpunk Idee nach knapp 3 Jahren ein Unternehmen mit 8 Mitarbeitern, Lieferung an den Lebensmitteleinzelhandel und großen neuen Projekten wird.

Vor allem aber hätte ich nie gedacht, dass eine Startup Gründung so oft in Chaos ausartet. Mittlerweile habe ich gelernt dieses Chaos zu genießen. Einfach auf dich einprasseln lassen und immer das Beste draus machen.

Hier unsere Top Chaos Momente 

10/2015: 270 Gerichte in 3 Tagen

Die Foodpunk Facebook Seite gibt es seit Januar 2015. Im Mai habe ich eine GmbH gegründet und dann viele Monate an den individuellen Ernährungsplänen gearbeitet. Im Oktober dann war es fast soweit – es fehlten nur noch die Food Fotos. Als erstes entstanden die Ernährungspläne “Burn The Fat”, “Boost Your Brain” und “Eat Clean”. Jeweils 90 Gerichte sind in einer Challenge – als Shooting Zeitraum habe ich sehr optimistisch vier Tage festgelegt. Der erste Hälfte von Tag 1 ist komplett für das Einrichten des Sets draufgegangen. Natürlich wurde bei meinen Eltern im Wohnzimmer geshootet. Von Tag zu Tag habe ich mehr freiwillige Helfer zum Schnippeln organisiert. Mit Müh und Not und vielen 16-Stunden-Arbeitstagen die bis spät in die Nacht gingen, haben wir es geschafft!

Der Launch der Challenges war noch einmal eine ganz andere Herausforderung. Eigentlich hatte ich ausreichend Zeit zum Abwickeln der Vorbestellungen eingeplant. Allerdings hat das Freistellen der Bilder nicht wie gewünscht funktioniert. Also habe ich das an eine Agentur ausgelagert, die immer wieder um einen Tag verschob. Ja “morgen sind wir fertig”, “morgen sind wir fertig”. Am Ende hatte ich 24 Stunden übrig um über 100 Ernährungspläne fertigzustellen – der Launch musste etwas verschoben werden. Länger als 4 Stunden habe ich in keiner Nacht geschlafen. #zombiemode

12/2015 – 20 kg Plätzchen in 2 Tagen

In den Anfangstagen meiner Firma war die Strategie hinter meinen Produkten: Ich will das jetzt, das ist cool! Also habe ich ein Produktfoto online gestellt und die Sache auf Facebook präsentiert. Im zweiten Schritt habe ich mir dann überlegt, wie sich das eigentlich realisieren lässt. Das trifft natürlich nicht auf die Ernährungspläne zu, sondern auf solche Aktionen wie die Plätzchen 2015. Kurz zuvor hatte ich ein Low Carb Plätzchen eBook geschrieben. Einige Kunden fragten, ob sie die Leckereien nicht auch bestellen könnten. Klar “Wo ist das Problem?”, habe ich mir gedacht. Gebacken habe ich schon immer gerne. Also habe ich die Sache angeboten.

Womit ich allerdings nicht gerechnet hatte war, dass innerhalb von 2 Tagen 200 Päckchen à 100 g Low Carb Plätzchen verkauft werden. Also musste ich nicht nur irgendwie Plätzchen backen, sondern 20 kg davon. In den ersten Tagen bin ich nur mäßig vorangekommen, dann wurde es immer besser. Zum ersten Mal habe ich festgestellt, dass DHL auch zur Abholung kommt – was für eine Arbeitserleichterung. Bis Weihnachten sollten die Plätzchen fertig werden. Darum wurden auch hier die Nächte immer kürzer. Alle haben mit angepackt und meine Eltern haben freundlicherweise all das Verpackungsmaterial ausgehalten, dass auf Paletten vor die Garagentür geliefert wurde. Bis auf Pakete, die bei DHL verloren gingen, hat alles wunderbar geklappt. Solche Kamikaze-Aktionen machen süchtig. Wirklich!

02/2016 – Cupcakes zum Valentinstag in Bayern

Noch begeistert von der Plätzchen-Aktion gab es im Februar 2016 zum Valentinstag noch eine Kamikaze-Backaktion. Alle Cupcakes wurden vor Versand tiefgefroren und so sicher verschickt. Da ich durch die Arbeit an den Ernährungsplänen tagsüber nur nachts backen konnte, wurde die Zeit vor dem Valentinstag knapp. Also entschied ich mich kurzerhand dazu, alle Bestellungen in Bayern selbst auszuliefern. 2 Tage fuhr ich komplett durch Bayern und lieferte alle Cupcake Bestellungen persönlich aus.

10/2016 – Das erste Foodpunk Büro auf 12 qm

1,5 Jahre betreute ich Foodpunk von zuhause und von diversen Cafés aus. Zwar hatte ich immer wieder nach passenden Büros gesucht, aber nie etwas gefunden, was mir von Größe und Preis-Leistung gepasst hat. Wir sind halt in München. Mit meiner damaligen Praktikantin Barbara bezog ich das erste Foodpunk Büro. 2 Tische, 2 Menschen, 2 Laptops und 1 Regal. Richtig leer und aufgeräumt war es damals.

Es dauerte aber nicht lange, da wurden wir mehr und mehr Mitarbeiter. Im Februar tummelten sich 4-5 Mitarbeiter täglich vor Ort im Büro. An zwei Tischen. Auch das komplette Lager für den Online Shop war auf den 12 qm untergebracht und dementsprechend “viel” Platz hatten wir. Wer zuerst im Büro war, bekam einen Stuhl. Danach blieben noch Hocker oder Packpapier-Rollen zum sitzen, denn zwei Schreibtischstühle nebeneinander passten nicht an den Schreibtisch.

11/2016 – Der Foodpunk PopUp Store

Im Herbst 2016 hatte ich eine Eisdiele in den Kleinanzeigen entdeckt. Über den Winter sollte sie vermietet werden. Perfekt! Gefundenes Fressen für mich. Na dann wollen wir mal einen Kooperationspartner für Foodpunk Backwaren und Verkäufer suchen – ab geht’s. Nach nur einem Monat Vorbereitungszeit standen alle Rezepte und das Konzept für den Store. Am 1.11. ging’s los!

11/2016 – 10.000 handgemachte Pralinen

Ähnlich wie die Plätzchen 2015 wollte ich im Winter 2016 wieder eine Aktion mit feinen Leckereien machen. Diesmal sollte es ein Adventskalender werden – mit handgemachten Pralinen. Wir hatten für den PopUp Store einen Bäcker als Kooperationspartner, der im Idealfall auch diese Pralinen machen sollte. Die Bestellungen kamen sehr schnell rein und nach wenigen Tagen musste ich die Bestellmöglichkeit schließen. Die Kooperation mit unserem Bäcker war leider nicht sehr glücklich. Also machten wir im PopUp Store per Hand 10.000 Pralinen, füllten sie in Kalender und wickelten Versand im winzig kleinen PopUp Store ab. Der verwandelte sich in einen absoluten Versandhandel. An manchen Tagen konnten wir nicht einmal richtig öffnen, so voll war alles mit Paketen.

03/2017 – 3 Wochen Shooting in einer leeren Wohnung

Die neue Clean Cheating Challenge stand in den Startlöchern und wir mussten wieder 90 Gerichte shooten. Statt 270 Gerichte an 4 Tagen, plante ich diesmal 3 Wochen ein. Wir haben uns eine leer stehende Wohnung mit großer Küche gemietet und täglich 8 Stunden geshootet. Auch, wenn das Pensum diesmal viel entspannter war, waren wir voll beschäftigt. Manchmal reichte mir die Zeit neben Vorbereitungen, einkaufen, shooten und hinterher putzen nicht, um überhaupt noch nach Hause zu fahren. Ein Glück gab es in einem weiteren Zimmer der Wohnung eine Matratze auf dem Boden. Perfekt für mich zum Übernachten. Auch im PopUp Store musste ich das ein oder andere Mal über Nacht bleiben. Dafür hatten wir ein Feldbett. Aus diesem Grund musste mein aktuelles Büro auch unbedingt einen anständige Schlaf-Couch erhalten!

04/2017 Bread Fit und Vanilla Heaven

Der Erfolg des PopUp Stores ebnete den Weg für unsere ersten eigenen Low Carb Backmischungen.

Immer wieder wurden wir gefragt, ob es nicht langfristig Leckereien von uns geben kann. Zum einen habe ich dafür ein eBook mit allen Rezepten aus dem PopUp Store geschrieben, zum anderen war die Idee für Vanilla Heaven und Bread Fit geboren!

Aber von der Idee bis zu den ersten eigenen Backmischungen war es ein langer Weg. Alle Dosen per Hand bekleben, passende Räumlichkeiten suchen, per Hand abfüllen und einen Lagerraum für einige tausend Dosen finden. Wir haben insgesamt einen Monat länger gebraucht als geplant, aber der Release war grandios! Schon wieder verwandelte sich unser kleines Büro in ein Versandzentrum. Und die Mischungen hielten Einzug in den ersten REWE. Natürlich wurde der REWE in Foodpunk-Manier persönlich beliefert.

Weitere Eindrücke aus dem Foodpunk Alltag

Die erste Praktikantin, die “vor Ort” bei Foodpunk gearbeitet hat, hatte ich noch bevor ich ein Büro hatte. Wir haben entweder gemeinsam bei mir auf daheim auf der Couch gearbeitet oder sind von Café zu Café gezogen.

2017 arbeiten wir für unseren Adventskalender mit einem Chocolatier zusammen. Obwohl wir mehr als doppelt so viele Kalender hergestellt hatten, waren alle innerhalb von 10 Tagen ausverkauft.

Das kleine Foodpunko-Mobil hatte so manch wichtigen Einsatz, wenn DHL uns im Stich ließ.

Eine Paletten-Lieferung meines eigenen Buches Low Carb typgerecht.

Endlich eine Showküche im eigenen Büro!