Wir verlosen in unserem Dezember-Magazin zwei Ausgaben des aktuellen Buches von Nadja Polzin – „allergiefrei!“
Sie hat uns erzählt, warum sie das Buch überhaupt geschrieben hat und wie sie die Entwicklung in der heutigen Ernährung sieht.

1. Ganz frisch beim Online-Buchhändler erhältlich ist Dein neues Buch: allergiefrei! Was erwartet die Leser auf den über 400 Seiten?

Allergiefrei! Ist eine Zusammenfassung meiner Erkenntnisse zum Thema Immunsystem, Lebensmittelallergien und Unverträglichkeiten aus den letzten 5 Jahren. Damals, 2012, als mich das Thema begann zu beschäftigen, litt ich unter so allerlei Zivilisationskrankheiten, die viele von uns als gegeben und im Prinzip nicht heilbar hinnehmen. Verdauungsstörungen, Akne, Neurodermitis, Stimmungsschwankungen, Depressionen und Allergien, um nur einiges zu nennen. Außer in Form von Medikamenten habe ich bei den Ärzten, die ich aufgesucht habe, keine Hilfe gefunden. Mir konnte niemand sagen, woran es liegt, dass ich mit noch nicht einmal 30 Jahren so viele gesundheitliche Probleme hatte. Durch Zufälle oder das Schicksal bin ich auf das Thema Ernährung und Lifestyle gestoßen. Dann habe ich begonnen auszuprobieren und zu forschen. Das Wesentliche, was ich dabei erfahren und gelernt habe, findet sich jetzt in diesem Buch. Wie funktioniert unser Immunsystem? Was haben Bakterien mit Allergien zu tun? Was schwächt und was stärkt unsere Immunität? Welche Lebensmittel können Probleme machen und wie kann ich mich ernähren, damit mein Immunsystem sich selbst wieder reguliert.

2. Das ist bereits das 2. Buch von Dir – innerhalb eines Jahres – das Schreiben scheint Dir zu liegen. Die Themen sind jedoch komplex und wissenschaftlich. Was macht es Dir so „leicht“, so verständlich und dennoch detailliert und hilfreich damit umzugehen? Ist es, neben der Ausbildung, die eigene Erfahrung?

(lacht) Ja, das Schreiben macht mir wirklich besonders viel Spaß. Vor allem aber das wissenschaftliche Arbeiten. Den Dingen auf den Grund zu gehen und sie versuchen zu verstehen, das ist es, was mich antreibt. Einstein soll gesagt haben, dass man es nicht verstanden hat, wenn man es nicht einfach erklären kann. Das Zitat steht auf meinem Vision Board und ich bemühe mich das zur Grundlage meiner schriftstellerischen Arbeit zu machen. Manchmal heißt das auch: zurück in die Bibliothek. Und mich treibt natürlich die Tatsache, dass es in der Wissenschaft so viele Erkenntnisse über natürliche Heilmittel gibt, die in der schulmedizinischen Praxis nicht stattfinden. Wir sind Teil der Natur und ich glaube fest daran, dass sie uns alles liefert, was wir als Menschen brauchen – auch dann, wenn wir uns mit Zivilisationskrankheiten plagen.

3. Low Carb ist nicht erst seit gestern ein Thema. Dennoch, vergeht keine Woche, in der nicht über die Vor- und Nachteile dieser Ernährungsform geschrieben wird. Wo liegt Deiner Meinung nach das Problem? Warum tut man sich so schwer damit, Low Carb zu akzeptieren bzw. in die tägliche Ernährung mit aufzunehmen?

Um ehrlich zu sein, glaube ich, dass es ein historisches und politisches Thema ist. Getreide und Kartoffeln sind billig und gut zu lagern. Wir müssen eine bestimmte Menge Leute satt bekommen und wir wollen damit Geld verdienen. Beides geht am besten mit diesen, in der Menge billig zu produzierenden, haltbaren Lebensmitteln. Ich glaube nicht, dass es heutzutage noch irgendein valides gesundheitliches Argument gegen eine gut formulierte Low Carb Ernährung gibt, wie Foodpunk oder ich sie vertreten.

4. Wird Low Carb vielleicht auch oft falsch interpretiert? Es wird zu 99 % immer mit dem Abnehmen in Verbindung gesetzt. Wie gesund bzw. hilfreich es für einen gesunden Körper sein kann, kommt oft erst im 2. oder 3. Anlauf.

Ja, absolut. Low Carb hat sich in den vergangenen Jahren ja auch mit vielerlei Gesichtern gezeigt. Denken wir zum Beispiel an Atkins zurück, dann war das schon sehr eiweißreich und vor allem auch reich an Tierprodukten. Atkins ist aber auch schon 30 Jahre her. So wie wir Low Carb heute verstehen, mit viel, viel Gemüse, guten Fetten und einer Eiweißbeilage, ist das doch etwas Anderes. Natürlich steht das Abnehmen immer noch im Vordergrund. Wir dürfen ja nicht vergessen, dass in Deutschland mittlerweile über 60% der Menschen zu dick sind. Nicht alle haben schweres Übergewicht, aber ein paar Kilo zu viel hat eben mittlerweile die Mehrheit. Das blöde bei uns Menschen ist ja, dass wir nicht so gern präventiv etwas tun, sondern erst dann, wenn die ersten Wehwehchen einsetzen. Wenn ich von Menschen höre, die mit noch nicht einmal 40 Jahren regelmäßig beim Kardiologen zu Besuch sind, dann wird mir aber ganz anders. Da kann man schon nicht mehr von Prävention sprechen. Eine gesunde Ernährung hilft aber tatsächlich immer – präventiv und kurativ, also heilend. Nicht umsonst gibt es Heiltraditionen wie die Hildegard-Lehre, Ayurveda oder auch TCM, die ganz wesentlich auf Ernährung aufbauen. Da ist das Essen kein Nebenaspekt, sondern das Heilmittel an sich. Wo begegnet man denn dieser eigentlich ziemlich banalen Weisheit in unserem Gesundheitswesen noch?

5. Wie siehst Du allgemein die Entwicklung in unserer Ernährung?

Ich freue mich jeden Tag, wenn auch nur eine einzige Person aufgrund unserer Arbeit versteht, was mit unserer Ernährung abgeht und sich dann verändert. Jeder von uns hat ein ganz wesentliches Mittel das Ernährungsangebot in unserem Land zu beeinflussen und das heißt Geld. Das, was ich kaufe, wird produziert. So einfach ist das. Wenn also mehr Menschen gute und echte Lebensmittel kaufen, Wert auf Qualität legen und sich engagieren, dann entwickelt sich das in eine positive Richtung. Insofern sehe ich die Entwicklung der letzten Jahre absolut optimistisch, denn durch das Internet können wir heute so einfach Menschen mit unserer Nachricht erreichen. Tausende Menschen lesen jeden Tag bei uns Bloggern und Autoren, das ist eine großartige Sache. Wir haben also gute bis sehr gute Chancen, dass das im Sinne der Menschen in die richtige Richtung geht.

6. Was glaubst Du, worin liegen die Probleme für die meisten Menschen, ihre Ernährung umzustellen?

Das ist wirklich schwer zu sagen. Ich tendiere aktuell dazu zu sagen, dass es an Lebenssinn und Zielen mangelt. Wer nicht weiß, wer er ist und wer nicht weiß, wo er hinwill, sieht keine Notwendigkeit sich um einen gesunden und leistungsfähigen Körper zu kümmern. Der ist froh, wenn er abends auf dem Sofa eine Tüte Chips snacken und irgendwelchen Leuten beim Frauentausch zusehen kann, anstatt zum Sport zu gehen oder seine Ziele anzugehen. Entschuldigt, wenn ich das so sage, aber wer sich sowas antut anstatt vielleicht ein Buch zu lesen, hat sich und seine Zukunft doch aufgegeben. All die anderen Ausreden, wie keine Zeit, es schmeckt so gut, mein Mann macht nicht mit, ich weiß nicht wie es geht und was weiß ich, was man noch so vorbringen kann, zählen in meinen Augen nicht. Ich denke mir, dass ich mit der Ernährung ein total einfaches Instrument in der Hand habe, meinen Körper so zu versorgen, dass er mir gute Dienste leisten kann und ich meine Ziele erreichen kann. Ich wäre doch blöd das nicht zu nutzen.

7. Die Macht der Gewohnheit darf nie unterschätzt werden – gerade jetzt. Denn es steht Weihnachten vor der Tür und die wohl meisten Weihnachtsmenüs werden aus vielen Kohlenhydraten bestehen. Weil es immer schon so war  Eine große Herausforderung, auch für Dich? Wie gehst Du damit um?

(lacht) Nein, das geht mir absolut nicht ab. Süßigkeiten habe ich mir schon lange abgewöhnt und es fehlt mir auch nicht in der Weihnachtszeit. Eine Tasse Glühwein hier und da ja, aber Kekse und Stollen oder so gibt es bei mir ohnehin nicht, weil ich schon lange vollständig glutenfrei lebe. Wer das nicht schafft, muss aber auch nicht darauf verzichten. Soweit ich weiß, gibt es bei euch ja sogar einen tollen Adventskalender jedes Jahr und wahrscheinlich auch ein paar tolle Keto- oder Low Carb-Keksrezepte. Genuss und gute Ernährung muss sich heute ja nicht mehr ausschließen. Unternehmen wie ihr sorgen sich ja zum Glück darum.

8. Wie sieht Dein Rat für alle diejenigen aus, die ihre Ernährung umstellen wollen – aber immer wieder scheitern?

Such dir Hilfe – warum denn nicht? Eine Gruppe, ein Coach, eine Freundin, die dich motiviert und zur Verantwortung zieht, wenn sich nichts bewegt. Sozialer Druck hilft bei vielen Menschen immer noch am besten. Wer schämt sich schon gern, dass er etwas nicht erreicht hat, das so einfach ist? Es sind doch nur ein paar andere Entscheidungen.

Und, es ist natürlich wichtig ein klares Ziel vor Augen zu haben. Vielleicht das schöne Sommerkleid, bei dem der Reißverschluss schon lange nicht mehr zu geht oder die Komplimente der Kollegen, die bewundernd feststellen, dass du viel besser aussiehst und das auch ausstrahlst. Vielleicht auch das Gefühl dich in deiner Haut wohler zu fühlen und dich nicht (mehr) verstecken zu müssen. Ziele, mit denen man sich selbst motivieren kann, gibt es viele.

9. Was ist im nächsten Jahr von Dir zu erwarten? Ein weiteres Buch? 

Haha. Naja, zumindest habe ich da so eine Idee…