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Lia Lindmann ist Autorin von “Leichter leben mit Lipödem” und Lipödemberaterin. Nach vielen Jahren der Unsicherheit erhielt sie 2012 die Diagnose Lipödem. Seitdem hat sie sich intensiv mit der Erkrankung beschäftigt und Wege gesucht und gefunden, ihr Leben mit Lipödem zu verbessern. Hier gibt sie uns als Gastautorin einen Einblick:

2004 – ich war gerade 21 Jahre alt – sollte in Deutschland erstmals das Reality-Format “The Swan” laufen. 16 Frauen, die unter ihrem Aussehen litten, sollten in wenigen Monaten jeweils ca. 20 Operationen durchlaufen, am Ende vom hässlichen Entlein zum schönen Schwan werden. Und ich, 21 Jahre alt, Studentin und Hobbyschauspielerin, schrieb eine Bewerbung. Veränderung bis zur Unkenntlichkeit – das erschien mir damals erstrebenswert.

“Reiterhosen”, “dicke Beine”, “unsportlich”, “faul”, – In einer Welt, in der überpräsente mediale Bilder suggerieren, man bräuchte einen perfekten Körper und lange, glatte, gesunde Beine, um ein beliebter Partygast, ein attraktiver Lebenspartner oder ganz allgemein liebenswert und interessant zu sein, erleben Frauen, die von der der Fettstoffwechselerkrankung Lipödem betroffen sind, häufig Fremd- und Selbstablehnung. “Ich bin unförmig. Ich habe keine Kontrolle über meinen Körper.” So ging es auch mir damals. Füllige Oberschenkel und Beine werden von unserem Umfeld oft mit selbstverschuldeter Inaktivität, Unattraktivität und sogar begrenzter Intelligenz assoziiert. Gleichzeitig wird die Erkrankung als „Na, Du hast halt dicke Oberschenkel, ja und?“ heruntergespielt. 

Trotz Diät, gesunder Lebensweise, Bewegung “disproportional”: Während das Gesicht vielleicht ganz schmal ist, wuchert an anderen Körperstellen das Fettgewebe ohne eindeutige Ursache. Täglich spreche ich mit Frauen, die mir sagen: “Ich kann mich einfach nicht akzeptieren.”

 Auch Frauen ohne Lipödem können von diesem psychischen Leidensdruck betroffen sein. Zu beachten ist aber auch, dass viele Frauen bisher keine Diagnose erhalten haben. Wer sich in diesem Text also wiedererkennt, sollte ärztlich abklären lassen, ob möglicherweise eine Lipödemerkrankung oder eine Lipohyperplasie vorliegen.

Hoher Leidensdruck – Scham und Ablehnung

Laut einer Umfrage unter Patientinnen in Hannover geben 84 Prozent der Befragten an, bei sozialen Aktivitäten Scham zu empfinden, sich selbst auszugrenzen oder allgemein ungern aktiv zu sein. 77 Prozent gaben an, beim Essen in der Öffentlichkeit Schamgefühle zu empfinden oder sogar gänzlich auf öffentliches Essen zu verzichten. 62 Prozent sagen: “Ich sehe meinen Körper als Feind.” 

Lipödem und Psyche

Vorurteile sind weit verbreitet

Frauen mit Lipödem spüren häufig, dass sie mit Vorbehalten wahrgenommen werden. „Will die wirklich so an den Strand?“, „Die würde mir ja nicht gefallen.“, „Die könnte auch mal mehr Sport machen.“ Vorurteile hohem oder unproportional verteiltem Gewicht anderer Menschen gegenüber sind laut den Gesundheitswissenschaftlern Hand, Robinson und Creel von den Universitäten in Alabama, Mississippi und Louisianna so weit verbreitet wie ausländerfeindliche Vorurteile und zeigen sich in Form von abwertender Haltung höhergewichtiger Menschen in sozialen Beziehungen, im Bereich der Bildung, in Beschäftigung und Gesundheitsversorgung. Das führt ihren Untersuchungen zufolge dazu, dass übergewichtige Menschen an den Rand der Gesellschaft gedrängt und stigmatisiert werden. 

Eine Studie der Harvard Universität belegt dies: Obwohl wir als Gesellschaft in vielen Bereichen Vorurteile abgebaut haben, trotz Body-Positivity-Bewegung und Plus Size Models sind solche Vorurteile in den letzten 20 Jahren sogar noch gestiegen. Explizite Vorurteile gegenüber Körperfett sind zwar gesunken, doch die impliziten Vorurteile – also die, über die sich die Probanden nicht bewusst sind – stiegen. Kurzum: Die Menschen sagen, die Körperform hätte keine Auswirkung auf ihre Einschätzung einer Person, unbewusst benachteiligen sie aber trotzdem fülligere Personen bei Partnerwahl, Karriereförderung und sogar ärztlicher Versorgung. 

Ärzte glauben Patienten mit hohem Körperfettanteil häufig nicht, dass sie genügend für ihre Gesundheit tun oder dass sie sich nicht an medizinische Anweisungen halten. Sie unterstellen ebenfalls häufig eine Selbstverschuldung, bieten daher weniger Behandlungsmöglichkeiten an und suchen nicht nach anderen möglichen Ursachen für die Beschwerden. So bleiben körperfettbezogene Erkrankungen oft undiagnostiziert und unbehandelt. Vor diesen Effekten warnen unter anderem Dr. Rebecca Puhl, klinische Psychologin und Leiterin des Rudd Centers für Lebensmittelregulierungen und Übergewicht sowie Judy Swift, Professorin für den Bereich Ernährungsverhalten an der Universität Nottingham. Bei Lipödem dauert es meist mehr als zehn Jahre bis eine Diagnose gestellt wird. Noch heute erhalten viele Betroffene gar keine Diagnose.

Ein innerer Kampf

So aufgeklärt und aufmerksam viele von uns auch sind: Die gesellschaftliche Denkweise, dass Körperfett und Negativität gekoppelt sind, nagt am Selbstbewusstsein und kann sich so sehr verinnerlichen, dass wir auch mit uns selbst nur noch in kritischem, vorwurfsvollem Ton sprechen. Nicht wenige Betroffenen berichten von tiefer Trauer oder intensivem Selbsthass, der sie beim Gedanken an ihren Körper oder beim Ansehen eines Fotos schwer belastet. Nicht selten weitet sich dieser Selbsthass auch auf andere Bereiche des Lebens aus: Im Beziehungs- und Arbeitsleben versuchen Betroffene mehr und mehr zu geben, sie erschöpfen sich. Essstörungen treten in Zusammenhang mit Lipödem häufig auf, da Essen entweder überkontrolliert und kasteiend eingesetzt wird, um den eigenen Körper zu bezwingen; oder es wird in Form von Selbstaufgabe, Selbstbestrafung oder Seelentrost im Übermaß konsumiert. Eine Untersuchung in einer Schwerpunktpraxis für Lipödeme in Bayern ergab, dass dort 74 Prozent der Patientinnen zusätzlich an einer Essstörung litten. 

Der australischen Psychologin Dorothy Rowe zufolge kann man schnell von Trauer in Depression geraten: „Um natürliche Trauer in Depression zu verwandeln, braucht man nur eine Komponente zu verändern: Sich selbst für die Katastrophe verantwortlich zu machen, die einem widerfahren ist.“ Bei Krankheit fragen wir uns „Warum ich?“ und kommen oft nur zu selbstverurteilenden Schuldvorwürfen, die uns dann begleiten. Wir machen uns für unsere Erkrankung verantwortlich und begünstigen so, dass aus Trauer Depression wird. 

Meine Psychotherapeutin in einer Lymph-Klinik erklärte mir, dass dem Schmerz und allen Vorgängen das erweiterte biopsychosoziale Modell zugrunde liegt, das Körper und Seele untrennbar sind. Wenn ich durch immer wiederkehrende Ablehnung durch die Krankenkassen, den Kampf, die Unverstandenheit und die Diskriminierung durch andere ständig negativ an meine Erkrankung erinnert werde, spüre ich den Schmerz auch stärker. Das liegt nicht daran, dass ich es mir einbilde oder einrede sondern daran, dass Stress, Ärger und Depression einen anderen Hormon- und Botenstoffcocktail ausschütten, der Schmerz nicht so gut regulieren kann wie die Kombinationen eines innerlich ruhenden, mental gesunden Körpers.

Schmerz und Psyche

Laut einer Studie von Dr. Josef Stutz ordnen 80 Prozent seiner Patientinnen ihren körperlichen Schmerz auf einer Skala von 0 (kein Schmerz) bis 10 (nicht aushaltbar) bei über 5 Schmerzpunkten ein. Bei den seelischen Schmerzen sind die Ergebnisse noch dramatischer: 72 Prozent der betroffenen Frauen ordnen ihre seelischen Schmerzen auf den höchsten Werten 8-10 ein. Dr. Stutz zufolge führt die erlebte Abwärtsspirale aus Selbstablehnung, Vorwürfen, Mobbing, Schwierigkeiten bei Partnersuche und Sexualität sowie medizinischer Hoffnungslosigkeit und Schwierigkeiten mit Ärzten und Kassen bei acht Prozent seiner Patientinnen zu Suizid oder Suizidversuchen. 

Lipödem leichter leben

Wie Psychotherapie helfen kann

Es ist wichtig zu erkennen: Wer ein Lipödem hat, hat oft im wahrsten Sinne des Wortes ein schweres Paket mit sich zu tragen. Sich Hilfe zu suchen ist nicht nur keine Schande, sondern sollte ohne Hemmung als Teil der Therapie wahrgenommen werden. Doch viele Lipödempatientinnen erhalten keine adäquate psychotherapeutische Hilfe. Und Betroffene trauen sich oft nicht, danach zu fragen. Gefühle von Schuld und Scham halten sie davon ab, sich helfen zu lassen. “Ich brauche keine Psychotherapie”, denken sie “ich muss mich einfach nur zusammenreißen.” Zwar bieten einige Rehakliniken als Ergänzung zur Entstauungstherapie einzelne Stunden Psychotherapie an, einige Psychotherapeutinnen sind auf Gebiete spezialisiert, die an das Lipödem angrenzen: Ein gestörtes Körperbild, Essstörungen, Minderwertigkeitskomplexe, Schwierigkeiten in Sexualität und Partnerschaft, soziale Isolation und Dysthymie; doch insgesamt gibt es zu wenig Therapieplätze und zu große Hemmschwellen.

Die typische hormonelle Lage des Lipödems begünstigt leider auch depressive Verstimmungen und Angststörungen. Häufig tritt nämlich gemeinsam mit Lipödem eine Unterfunktion der Schilddrüse auf, im Verhältnis zum Progesteron ist das Östrogen im Körper aktiver. Stress, der ebenfalls die Hormonbalance verschiebt, ist für viele ein ständiger Begleiter. 

Spezialisiert auf Psychotherapien bei Lipödem ist Dr. Joanna Dudek von der Warschauer Universität der Sozial- und Geisteswissenschaften, die ich für “Leichter leben mit Lipödem” interviewt habe. Lebensqualität und Lebenszufriedenheit bei Betroffenen werden ihrer Forschung nach besonders von Akzeptanz- und Handlungsfähigkeit positiv beeinflusst. Diese lassen sich in einer Psychotherapie oder in einem spezialisierten Coaching trainieren. Auch soziale Verbundenheit mit anderen spielt eine große Rolle und kann vor allem in einer funktional analytischen Psychotherapie geschult werden. 

Körpertherapeutische Verfahren

Körpertherapeutische Verfahren enthalten Elemente von Achtsamkeit für den Körper, Übungen für den Körper, körperliche Berührung und Reflexion. Grundannahme ist, dass gewohnte Empfindungen und Überzeugungen, sozusagen unser Weltbild über uns selbst und andere körperlich gespeichert sind und auch körperlich gelöst werden müssen. Die Vorstellung „Ich bin nicht liebenswert“ kann sich beispielsweise in einer Körperhaltung einspeichern und mit dem Verstand nicht gelöst werden, solange der Körper an ihr festhält.

Die Lipödemberatung, die ich seit drei Jahren anbiete, vereint Aspekte dieser Methoden. Die Psyche bekommt viel Raum. “Endlich verstanden werden!” Das ist für viele eine riesige Erleichterung. 

Wenn du noch nicht bereit bist, Beratung oder Psychotherapie anzunehmen, kannst du einige Dinge allein probieren. Wenn sie dir aber unmöglich erscheinen, dann traue dich, dir Hilfe zu suchen. 

11 Tipps von Lia, was du für deine Psyche tun kannst: 

1. Öffne dich gegenüber anderen. Spiele nicht die Starke, sondern teile deine Gefühle mit vertrauten Personen.

2. Komme ins Handeln. Lerne zu unterscheiden, was veränderbar ist und was nicht.  

3. Erkenne deine Selbstvorwürfe und lerne sie umzuleiten. 

4. Probiere aus, ob Entspannungstechniken oder Meditationen, dir gut tun könnten. Atme tief.

5. Sage nein! Du musst nicht rund um die Uhr die Welt retten!

6. Erkunde die Schatten- und die Sonnenseite deines inneren Kindes. 

7. Behandle deinen Körper freundlich.

8. Erkenne emotionale Muster und wunde Punkte:

Was ist veränderbar? 

Ich handele.

Was ist unveränderbar?

Ich akzeptiere.

9. Übe neue Gewohnheiten ein.

10. Sei freundlich zu dir selbst.

11. Stärke mit gezielten Übungen deinen Selbstwert.

Psychotherapie und Beratung bergen viel Potenzial, uns zu helfen. Ja, man braucht dazu Geduld. Nein, eine riesige Besserung erfolgt nicht nach drei Sitzungen. Dazu sind die Furchen in unserer Psyche oft zu tief. Wir müssen das Gelernte auch üben und wirklich verinnerlichen bis wir nach und nach Erfolge sehen können.

Zuletzt noch ein Schnellhilfe-Tipp: Ruhig und tief Atmen

Wer ruhig und tief atmet, kann gar nicht so viele Stresshormone ausschütten, wie jemand der flach und schnell atmet. Es ist quasi unmöglich. Für uns Frauen mit Lipödem hat das Atmen noch einen weiteren Sinn. Es geht in unserem Körper darum, Durchlässigkeit zu erreichen. Damit die Lymphe fließen kann. Damit wir loslassen können, was uns belastet. Wenn wir tief atmen, dann machen wir den Weg frei für Durchlässigkeit. Zumindest am Oberkörper sind wir dann schon mal nicht mehr angespannt und gestaut. Wenn man die Umkehrprobe macht, merkt man es ganz deutlich: Halte die Luft an. Fühlt es sich nicht so an als ob nun im Körper quasi alles stillsteht?

Unsere Gastautorin Lia Lindmann ist Autorin von “Leichter leben mit Lipödem” und Lipödemberaterin. Nach vielen Jahren der Unsicherheit erhielt sie 2012 die Diagnose Lipödem. Seitdem hat sie sich intensiv mit der Erkrankung beschäftigt und Wege gesucht und gefunden, ihr Leben mit Lipödem zu verbessern. Für “Leichter leben mit Lipödem” hat sie unzählige Expertengespräche geführt und neueste Erkenntnisse aus Lymphologie, Endokrinologie, Psychologie, Gynäkologie, Ernährungswissenschaft, Physiotherapie und Schmerzmedizin zusammengetragen. Lia Lindmann arbeitet als Pädagogin und Journalistin und wurde von Institutionen wie den Vereinten Nationen und UNESCO gefördert. “Leichter leben mit Lipödem” gibt es als Buch im Handel und als siebenteiligen Selbsthilfekurs direkt bei der Autorin.

Bildquelle: Das Titelbild des Artikels ist beim Fotoshooting „Kämpferliebe“ mit Natalie Koch entstanden.

Du möchtest mehr über das Thema Lipödem erfahren? Dann schau dir unsere Artikel „Lipödem: Wenn Fettzellen außer Kontrolle geraten“ oder „Durch ketogene Ernährung das Lipödem lindern“ an. Wenn du Interesse am Foodpunk Lipödem-Programm hast, findest du hier weitere Informationen.

Unsere Gastautorin Caroline Sprott hat seit über zehn Jahren Lipödem in ihren Armen und Beinen. Nach drei Liposuktionen, die leider nicht zu Beschwerdefreiheit führten, hat sie sich dazu entschlossen den Blog  Lipödem Mode zu gründen – für neuen Mut, Kraft und vor allem Selbstbewusstsein! Dort zeigt sie mit ihrem Team und verschiedenen Gastautoren, dass die Diagnose Lipödem kein Ende darstellen muss, sondern die Chance bietet, an ungewöhnlichen Herausforderungen zu wachsen. Caroline ist übrigens auch ein Foodpunk. 😉 Ihre Geschichte kannst du hier lesen.

Caroline’s 3 Top Tipps für gesunde Ernährung und mehr Bewegung im Alltag

In meinem Leben habe ich schon viel abgenommen und bin mindestens genau so viel gescheitert. Aber Scheitern ist viel wichtiger, als du vielleicht denkst. Es ist ein Prozess, den es manchmal braucht, um die Entschiedenheit, den Trotz, aufzubauen, den es zum Durchhalten braucht. Das Durchhalten braucht am meisten Kraft, aber aus Durchhalten wird Routine und Routine bedeutet viel geringerer Energieaufwand. Da wollen wir hin oder? Hier kommen meine Top 3 Tipps, wie es klappen kann:

Tipp Nr. 1: Vor-Kochi-Kochi (oder einfach Meal Prep, klingt aber nicht so lustig)

Wenn man sich nach einer bestimmten Weise ernährt, wie in meinem Fall ketogen, dann braucht es manchmal ein wenig Vorbereitung, um vor lauter Hunger nicht zu etwas greifen zu müssen, obwohl man es nicht will. Ketogene Snacks gibt es durchaus an größeren Bahnhöfen mit kleinen To Go-Supermärkten… aber wenn man schon im Zug sitzt, wird’s haarig!

Meine Top Keto-Snacks für Reisen: Macadamia-Nüsse, Gurke, hartgekochte Eier, Kaminwurzeln (also abgehangene Wurst), Babybel.

Genau so ist es auch mit dem Büro-Alltag. Ich bin hier in der Altstadt Augsburgs gut versorgt, aber man möchte auch nicht andauernd Essen gehen. Also habe ich folgende Vor-Kochi-Kochi-Routine entwickelt: Abends doppelte Portionen kochen, eine Portion für gleich, eine für den nächsten Mittag. Gerne auch im Vorfeld in den Foodpunk-Plan schauen, welche Gerichte sich zum Einfrieren eignen, wenn es zeitlich wirklich gar nicht mit dem Kochen oder gar Einkaufen klappt, oder man krank wird.

Es spart nicht nur Zeit, sondern wirklich pures Geld. So gehst du nicht nur weniger Essen, sondern brauchst auch alle Lebensmittel deutlich leichter auf und hast weniger Reste, die du irgendwie unterbringen musst.

Mealprep Frühstück
Noch mehr Tipps zum Thema Mealprep findet du übrigens in diesem Artikel: Mealprep Tipps à la Foodpunk.

Tipp Nr. 2: Mach dir einen Plan

Der Ernährungsplan von Foodpunk hat mein Leben verändert (lies hier Caroline’s Geschichte) und ohne ihn würde ich schludern. So wird mir jedoch der Zeitaufwand abgenommen, die Woche im Voraus zu planen. Solche Möglichkeiten gibt es auch für den sportlichen Alltag.

Du musst nicht sportlich sein, um einen Einstieg zu finden! Es braucht jedoch irgendeine Verbindlichkeit, um Durchzuhalten, bis sich eine Routine einstellt. Sport muss Spaß machen, sonst ist es reine Folter. Wenn er dir bisher also keinen Spaß gemacht hat, war es bisher nicht die richtige Sportart. Hula Hoop-Reifen, Mini-Trampolin, Yoga, Joggen mit richtig lauter, guter Musik auf den Ohren, Rennrad fahren, … Es gibt wirklich unendlich viele Möglichkeiten, die nur darauf warten, einfach mal ausprobiert zu werden! Um einen Plan zu erstellen, helfen dir feste Termine, die sich abwechseln.

Beispiel:

Caroline Sprott Sport mit Lipödem
Carolines Tipp: „Um einen Sportplan zu erstellen, helfen dir feste Termine, die sich abwechseln. So schaffst du eine feste Verbindlichkeit, bis regelmäßige Bewegung in deine Routine übergegangen ist.“

Tipp Nr. 3: Höre niemals auf, es zu probieren

Das Lied vom Scheitern habe ich ja schon zu Beginn gepfiffen, aber es gilt auch, sich nicht geschlagen zu geben. Und wenn es 20 Anläufe braucht, ist es dann der 21., der dein Leben verändern könnte. Keine Olympionik:innen, Meister:innen oder Unternehmer:innen sind dort angekommen, weil sie sich geschlagen gegeben haben. Sie sind immer einmal mehr aufgestanden, als sie hinfielen und das ist der Spirit, den es braucht. 

Damit meine ich nicht, dass du gegen jede Wand rennen sollst, die sich dir in den Weg stellt. Es geht vielmehr darum, dass es manchmal etwas mehr Anlauf benötigt oder eben dieser unbändige Trotz, der dich viel weiter springen lässt, als beim ersten Mal.

Wenn du Bock auf diese Herausforderung hast und nicht glücklich damit bist, wie es bisher lief, dann ist JETZT deine Zeit gekommen, deine Löwenmähne zu schütteln und der Welt zu zeigen, dass sie dich besser nicht unterschätzen sollte. Und Du dich selbst erst recht nicht! 

Du möchtest mehr über das Thema Lipödem wissen? Dann stöber doch mal in unseren Artikeln „Lipödem – wenn Fettzellen außer Kontrolle geraten“ oder „Durch ketogene Ernährung das Lipödem lindern“ .

Ernährung ist eine wichtige Säule in der Behandlung eines Lipödems. Zusammen mit Frau Dr. Lossagk von Lipocura haben wir ein Programm entwickelt, durch das Beschwerden wie Schmerzen und Wassereinlagerungen um ein Vielfaches verbessert werden können. Wenn du auch Lust hast, Caroline’s Erfahrung mit der Foodpunk Ernährung auszuprobieren findest du hier weitere Informationen über das Foodpunk Lipödem-Programm.

Autorin: Caroline Sprott

Bildquelle: Instagram @powersprotte

Wie kann mir eine ketogene Ernährung mit meinem Lipödem helfen? Was hat Ernährung überhaupt damit zu tun? Und was sind die genauen Zusammenhänge zwischen einem Lipödem und ketogener Ernährung? Wenn du dir diese Fragen schon häufiger gestellt hast, bist du hier genau richtig, denn neben einem gut funktionierenden Stoffwechsel kann dir eine ketogene Ernährung dabei helfen die lipödembedingten Wassereinlagerungen und auch die damit verbundenen Schmerzen zu mindern. Wie und warum das funktioniert, erklären wir jetzt.

Was ist ein Lipödem?

Ein Lipödem ist eine Fettverteilungsstörung, bei der sich die Fettzellen im Körper krankhaft verändern. Dadurch vermehren sie sich unkontrolliert und können nicht durch Ernährung oder Bewegung vermindert werden. Die Erkrankung tritt (unter natürlichen Umständen) ausschließlich bei Frauen auf. Erste Symptome bemerkt man meist im Alter von 20 bis 30 Jahren – oft in Zusammenhang mit hormonellen Veränderungen wie der Pubertät, einer Schwangerschaft oder auch den Wechseljahren. Außerdem vermutet man, dass die Erkrankung vererbt werden kann, da häufig mehrere Fälle innerhalb einer Familie vorkommen.

Symptome sind:

  • auffällig rasche Zunahme, trotz unveränderter Gewohnheiten
  • symmetrische Verteilung dieser Zunahme – meist entweder an der unteren Körperhälfte wie Beine, Hüfte und Gesäß oder an der oberen Körperhälfte wie Arme, Nacken und oberer Rücken
  • Rumpf, Hände und Füße bleiben von der Zunahme unberührt
  • Wassereinlagerungen und damit einhergehender Druckschmerz
  • Orangenhaut bzw. wellige Haut mit Knötchenbildung unter der Haut
  • Neigung zu blauen Flecken
  • Im weiteren Verlauf: Wulstbildungen vor allem an den Oberschenkelinnenseiten

Wichtig: Ein Lipödem kann man nicht nur mit Übergewicht bekommen. Allerdings macht Übergewicht es schwieriger, ein Lipödem zu erkennen.

 

Wie kann mir die ketogene Ernährung bei meinem Lipödem helfen?

Zuerst muss gesagt sein: das zusätzliche Volumen bei einem Lipödem entsteht nicht durch substanzielles Fett wie bei einer Überernährung. Daher kann man ein Lipödem auch nicht durch eine Diät „entfernen“. Forscher gehen davon aus, dass sich die Fettzellen mit Flüssigkeit füllen, die sich anschließend zwischen den Zellen ablagert. Sehen kann man das bei der, auch in jungen Jahren, oft sehr ausgeprägten Cellulite. Die nun prall gefüllten Fettzellen drücken auf Lymphgefäße und Venen im Gewebe. Durch den Druck werden diese angeregt mehr Wasser abzugeben, das sich nun wieder in den Zwischenräumen der Fettzellen ansammeln kann. Es ist wie ein Teufelskreis. Das Gewebe füllt sich im Laufe des Tages mit immer mehr Wasser, bis man als Lipödem-Betroffene das Gefühl hat, die Haut würde platzen.

Wenn man sich kohlenhydratarm ernährt, leidet man weniger unter den Wassereinlagerungen und auch die Druckschmerzen werden gemindert. Das Hautrelief glättet sich.

Warum ist das so? Durch Glucose in Kohlenhydraten wird Glykogen gebildet. Dieses ist als Energielieferant in den Muskeln und der Leber gespeichert. Natürlich brauchen wir Energie in unserem Körper – sonst könnten wir nicht existieren. Bei der ketogenen Ernährung bringen wir unseren Körper allerdings dazu, die Energie aus den Fettreserven zu ziehen. Die Glykogenspeicher werden nicht wieder aufgefüllt und nach und nach abgebaut. Was das mit dem Wasser zu tun hat? Ein Gramm Glykogen bindet 4 Gramm Wasser in unseren Muskeln. Wird das Glykogen abgebaut, kann auch das Wasser abfließen. Weniger Wasser = weniger Einlagerungen = weniger Schmerzen. It’s magic.

Neben den Wassereinlagerungen kann das Fettgewebe in den vom Lipödem betroffenen Regionen zusätzlich schleichende Entzündungen aufweisen. Diese reizen die Nerven und verursachen damit Schmerzen. Eine ketogene Ernährung hemmt Entzündungsfaktoren und kann so schmerzlindernd wirken.

WOHER KOMMEN DIE ENTZÜNDUNGSFAKTOREN?

Der Hintergrund von Entzündungsfaktoren ist wirklich eine Wissenschaft für sich. Bei der ketogenen Ernährung ist der Transkriptionsfaktor NF-κB besonders wichtig. Er reguliert Gene, die bestimmen, in welchem Maße das Immunsystem reagiert. Ist NF-κB aktiv unterwegs, werden mehr Botenstoffe wie z.B. Prostaglandin E2 gebildet. Dieses bewirkt eine Schwellung des Gewebes und erhöhtes Schmerzempfinden. Man hat beobachtet: wenn der Transkiptionsfaktor NF-κB gehemmt wird, kann auch die Entzündung gemildert werden. Klingt easy, oder? Warum macht man das dann nicht einfach? Das Problem: bei dieser Hemmung sind so viele Rezeptoren und Botenstoffe beteiligt, dass man quasi an jeder Weggabelung des Signals einen Faktor stoppen oder aktivieren könnte… ergo: man weiß die Lösung noch nicht.

Eine verminderte Kohlenhydrataufnahme wie bei einer ketogenen Ernährung kann die Bildung von NF-κB blockieren. Das Schlüsselelement dabei ist die geringere Aufnahme von Glucose. Fehlt diese, wird der Signalweg von NF-κB gestört, was bedeutet: weniger Entzündungen. Nimmt man stattdessen viel Glucose zu sich, fördert man die Entzündungen im Körper.

Warum dann nicht einfach nur eine Diät machen? Warum ketogene Ernährung?

Durch die hohe Fettaufnahme bei ketogener Ernährung wird, wenn diese richtig zusammengesetzt ist, auch eine erhöhte Menge an anti-entzündlichen mehrfach ungesättigten Fettsäuren (Omega-3) aufgenommen. Diese können über die Bindung an spezielle Rezeptoren (PPARs) Entzündungsreaktionen verringern.

Was ist eine ketogene Ernährung?

Auf den ersten Blick: Low Carb, High Fat. Natürlich steckt aber noch ein bisschen mehr dahinter. Die ketogene Ernährung zeichnet sich dadurch aus, dass durch Menge und Auswahl an Zutaten Ketonkörper gebildet werden. Sie ist „ketogen“ – „Ketonkörper generierend“.

Was sind diese Ketonkörper? Spezielle Moleküle, die in der Leber aus Fettsäuren entstehen. Als Energieträger liefern sie Gehirn, Muskulatur und anderem Körpergewebe die Energie, die diese brauchen, um zu funktionieren. Wenn eine erhöhte Anzahl an Ketonkörpern im Blut vorhanden ist, bezeichnet man diesen Zustand als Ketose: einen erhöhten Fettverbrennungszustand, der, wir erinnern uns, gleichzeitig Glykogen abbaut und die Wassereinlagerungen vermindert.

Um den Zustand der Ketose zu erreichen, solltest du deine Ernährung in folgender Reihenfolge zusammensetzen: 

  • Sehr wenig Kohlenhydrate
  • Moderater Eiweißkonsum
  • Hauptenergielieferant: Fett

Bei einer gesunden ketogenen Ernährung ist Gemüse dein bester Freund. Besonders grünes Gemüse enthält so wenig Kohlenhydrate, dass du große Mengen essen kannst, ohne deine Ketose zu beeinträchtigen. Doch Achtung: Wurzelgemüse hat einen hohen Kohlenhydratanteil und sollte bei der ketogenen Ernährung besser vermieden werden. Rotes und gelbes Gemüse wie Paprika und Karotten kannst du in Maßen genießen. Neben Gemüse sind Proteine wichtig für deinen Körper. Sie machen dich satt und erhalten deine Muskulatur. Ideal ist hochwertiges Protein aus tierischen Quellen – Eier, Fisch, Fleisch. Da Fett dein Hauptenergielieferant ist, kannst du hier gerne zur fetten Variante greifen wie z.B. Lachs. Gut sind außerdem hochwertige Fettsäuren aus Kokosöl, Avocado, Olivenöl oder Nüssen (besonders Macadamias). 

Wie setze ich die ketogene Ernährung mit Lipödem um?

Du hast noch 1 Mio. Fragen, wie das alles genau in deinem Fall umzusetzen ist? Keine Sorge – da haben wir die Lösung. In Kooperation mit Lipocura hat Foodpunk ein Lipödem-Programm entwickelt. Dort wird individuell für dich berechnet, wieviel und was du essen solltest, um in den Zustand der Ketose zu gelangen und damit Wassereinlagerungen und Druckschmerz zu vermindern. Unsere Ernährungsexpertin erstellt dir individuell einen Plan und bespricht eventuelle Fragen bei einem persönlichen Telefongespräch mit dir – für ein lebenswerteres Leben mit Lipödem.

Juliana ist die Autorin dieses Artikels. Nach einem Ausflug ins Pharmaziestudium an der WWU in Münster und UR in Regensburg hat sie Journalismus und Medienkommunikation an der AMD München studiert und ihren Bachelor in Fashion Management & Communication an der ECBM erfolgreich abgeschlossen. Nachdem sie ein Jahr beim SHAPE Magazin gearbeitet hat, wurde sie Teil des Foodpunk-Teams, wo sie nun die Science-Redaktion leitet.

Nimmst du an den Beinen immer mehr zu, obwohl du Sport machst und auf deine Ernährung achtest? Hast du oft Schmerzen bei Berührung oder Schwellungen, die im Laufe des Tages immer schlimmer werden? Eine Möglichkeit, die du vielleicht noch nicht bedacht hast: Diagnose Lipödem.

Was ist ein Lipödem?

Beginnen wir ganz klassisch mit einer Übersetzung, denn der Begriff „Lipödem“ kommt aus dem Altgriechischen. „Lip“ bedeutet Fett, „Ödem“ bedeutet Schwellung. Wörtlich übersetzen kann man so aber nicht, denn die Schwellung bezieht sich nicht auf „lip“ (das Fett), sondern auf die Wassereinlagerungen, die sehr häufig bei einem fortschreitenden Lipödem auftreten. Diese Einlagerungen sorgen für den Schmerz, der z.B. bei Berührungen auftritt. Zusätzlich können Lymphödeme – sicht- und tastbare Flüssigkeitsansammlungen im Interstitum (Zwischenzellraum) – entstehen.

Solltest du gerade denken „Hä, jetzt nochmal, Lipö-lymph-was? Und warum tut es dann weh?“ Keine Sorge… wir klären das jetzt – Schritt für Schritt. Let’s go.

Wie entsteht ein Lipödem?

Meistens wird ein Lipödem als Fettverteilungsstörung definiert. „Falsch verteiltes Fett… haha, das hab ich auch“ denkt sich jetzt jeder Zweite. Doch halt: damit ist nicht das normale Körperfett gemeint, das wir durch Sport oder Ernährung beeinflussen können. Ein Lipödem wird nicht durch Adipositas verursacht. Auch schlanke Menschen können die Fettstoffwechselstörung bekommen.

Die Anzahl der Fettzellen steht bis zum 20. Lebensjahr fest. (Außer bei einer sehr hohen Gewichtszunahme – dann wird nochmal neu aufgelegt.) Grundsätzlich ist es so: wenn wir Fett im Körper anlagern füllen sich unsere Fettzellen – wenn wir abnehmen leeren sie sich. Die Anzahl bleibt immer gleich.

Beim Lipödem ist das ein wenig anders. Die Fettzellen füllen sich nicht nur, sondern verändern ihre Struktur. Das Gewebe wird quasi „krank“. Auf einmal vermehren sich die Fettzellen wieder anstatt sich „nur“ zu füllen… und niemand ruft „Stop“. 

Was deutet auf ein Lipödem hin?

Die Vermehrung der Fettzellen bei einem Lipödem findet fast immer symmetrisch statt. Wenn der linke Oberschenkel neue Fettzellen bildet, zieht der rechte Oberschenkel mit. Das erscheint auf den ersten Blick nicht ungewöhnlich. Auch wenn wir zunehmen verteilt sich das Fett relativ gleichmäßig. Auffällig wird es, wenn man sehr schnell sehr viel zunimmt und das Volumen an bestimmten Stellen zu „explodieren“ scheint. Am häufigsten erfasst das Lipödem entweder nur den unteren Teil des Körpers  (Beine, Hüfte, Gesäß) oder nur den oberen Bereich (Arme, Nacken, Rücken am Übergangsbereich zum BH). Hände, Füße und Rumpf bleiben dagegen schlank, was zu unüblichen Proportionen führen kann. 

Außerdem vermehrt sich bei einer Lipödem-Erkrankung das Bindegewebe in der Unterhaut (Subkutis) und bildet kleine Narben, die man als kleine runde Knoten ertasten kann. Diesen Prozess nennt man Fibroisierung.

Was ist ein sekundäres Lymphödem bei einem Lipödem?

Kurz gesagt: eine chronische Schwellung im Gewebe.

Die Blutkapillaren in der Unterhaut werden durchlässiger und im Gewebe sammelt sich Flüssigkeit, die eigentlich nicht in diesen Mengen dorthin gehört. Gleichzeitig funktioniert das Lymphsystem (= der Transporter für diese Flüssigkeit) nicht mehr richtig. 

Was macht das Lymphsystem?

Das Lymphystem ist die Kläranlage des Körpers und für Immunabwehr und Entwässerung des Gewebes zuständig. Täglich laufen 2 bis 3 Liter Flüssigkeit durch den Körper und transportieren Krankheitserreger und Fremdpartikel hinaus. Dabei verläuft es mehr oder weniger parallel zum Blutgefäßsystem.

Also sammelt sich eine immer größere Wassermenge zwischen den Zellwänden an, die Haut dehnt sich an der Stelle aus: ein sekundäres Lymphödem entsteht. Der Unterschied zur Lipödem-Schwellung: ein Lymphödem tritt meist einseitig auf und betrifft auch Hände oder Füße.

Zusammenfassung: Lipödem Merkmale

  • tritt symmetrisch auf – meistens an Beinen und Gesäß, manchmal auch an den Armen
  • Hände, Füße und Rumpf bleiben unbeeinträchtigt
  • der Körper wirkt oft unproportional
  • Orangenhaut bzw. wellige Haut mit Knötchenbildung unter der Haut
  • anfangs schmerzfrei
  • Lymphödembildung
  • dadurch unangenehmes Spannungs- und Druckgefühl
  • verstärkte Berührungsempfindlichkeit der Haut
  • Neigung zu blauen Flecken
  • Im weiteren Verlauf: Wulstbildungen vor allem an den Oberschenkelinnenseiten

Welche Stufen gibt es bei der Lipödemerkrankung?

Der Schweregrad der Lipödemerkrankung ist meist in 3 Stufen aufgeteilt.

Grad 1

  • Orangenhaut: glatte Hautoberfläche mit gleichmäßig verdickter Unterhaut (nicht mit Cellulite zu verwechseln)
  • Reiterhosen

Grad 2

  • Unebene, überwiegend wellenartige Hautoberfläche
  • Knotenartige Strukturen in verdickter Unterhaut

Grad 3

  • Grobknotige Hautoberfläche mit größeren Dellen
  • Ausgeprägte Umfangsvermehrung mit überhängenden, grob deformierten Gewebeanteilen (Wammenbildung)

Wer kann von einem Lipödem betroffen sein?

Ein Lipödem tritt hauptsächlich bei Frauen auf. Meist beginnen die Symptome zwischen dem 20. und 30. Lebensjahr. Als Auslöser werden hormonelle Umstellungen wie die Pubertät oder eine Schwangerschaft vermutet. Das würde erklären, warum manche Frauen auch in oder nach den Wechseljahren an einem Lipödem erkranken. Tatsächlich ist sich die Forschung noch nicht einig, was genau die Gründe für ein Lipödem sind. Auffällig ist eine Häufung innerhalb der Familie. Man glaubt daher, dass die Veranlagung für ein Lipödem vererbt wird.

Männer sind selten bis gar nicht von der Fettverteilungsstörung betroffen. Wenn, treten Lipödeme bei Männern meist in Verbindung mit anderen Erkrankungen oder Behandlungen auf, die den männlichen Hormonhaushalt beeinflussen (wie z.B. ein Prostatakarzinom). Ein natürliches Auftreten ohne Vorerkrankung ist bei Männern bisher nicht bekannt.

Good to know: Die Forschung ist sich noch nicht sicher, ob zuerst das Lipödem entsteht (Fettzellen verändern sich krankhaft) und dadurch die Blutkapillaren durchlässiger werden (Lymphödem entsteht) oder anders herum. Was war zuerst: Huhn oder Ei… ihr kennt das.

Gibt es Langzeitfolgen bei einem Lipödem?

Durch die unproportionale Gewichtsverteilung bei einem Lipödem kann es dazu kommen, dass du dich anders bewegst, als es deinem natürlichen Gang entsprechen würde. So entwickeln sich mit der Zeit Fehlstellungen der Gelenke, die zu einem vorzeitigen Gelenkverschleiß führen.

Verwechslungsgefahr – Lipödem vs. Extremitäten-Lipohyperthrophie

Nicht immer steckt hinter den Beschwerden ein Lipödem. Eine zweite Erkrankungsform ist sehr ähnlich. Die Extremitäten-Lipohypertrophie sieht optisch fast genauso aus, verursacht aber im Gegensatz zum Lipödem keinen Druckschmerz. Auch sie ist genetisch bedingt und äußert sich durch vermehrtes Fettgewebe an Oberschenkeln und Oberarmen. Dieses kann durch Diät oder Bewegung nicht reduziert, aber zumindest im Zaum gehalten werden. Bei Übergewicht schreitet sie weiter voran. In seltenen Fällen kann eine Lipohypertrophie auch zu einem Lipödem führen.

Wie wird ein Lipödem behandelt?

Wir wissen ja schon: Fettzellen können nur geleert, aber nicht abgebaut werden. Auf natürlichem Wege ein Lipödem komplett zu entfernen ist daher leider nicht möglich. Allerdings gibt es einige Behandlungsmethoden, mit denen man die Symptome verbessern und neue Fettablagerungen vermeiden kann. Wir stellen hier 3 Therapiemöglichkeiten vor.  Als letzten Schritt sprechen wir noch über die Liposuktion – auch Fettabsaugung genannt. Die einzige Option, um die Anzahl Fettzellen zu verringern.

Kompressionstherapie

Kompression bedeutet Druck. Diesen übt man durch Kleidung aus, die speziell für diesen Zweck angefertigt wird. Man versucht quasi die Flüssigkeit aus dem kranken Fettgewebe rauszudrücken und so den Spannungsdruck zu lindern.

Zum Vergleich: ein Schwamm voll Wasser, dem man eine sehr enge Socke anzieht. Das Wasser wird aus dem Schwamm herausgedrückt und fließt ab. Zusätzlich schützt die Socke den Schwamm sich wieder mit Flüssigkeit vollzusaugen und auszudehnen.

Genau dieselbe Technik wendet z.B. eine Kompressionshose bei unserem Fettgewebe an.

Manuelle Lymphdrainage

Dabei wird mit einer speziellen Massagetechnik das Lymphsystem angeregt. Der Therapeut arbeitet mit kreisförmigen Bewegungen, Dehnreiz, intermittierendem Druck und Sogwirkung. Dadurch wird der Abtransport der Flüssigkeit gesteigert und der Druck auf’s Gewebe lässt nach.

Apparative intermittierende Kompression (AIK)

Die Kompression des Gewebes erfolgt hierbei über eine spezielle Manschette, die mit Luft gefüllt wird und so Druck ausübt. Sie erinnert an ein Blutdruckmessgerät – nur in sehr groß. Es passen z.B. beide Beine hinein. Das Anziehen der Manschette macht man auch nicht  zuhause, sondern bei einem Therapeuten. Danach füllen sich nach und nach hintereinander liegende Luftkammern. Gestartet wird an dem Punkt, der am Weitesten vom Herzen entfernt ist – man arbeitet also zum Herzen hin wie bei einer Entspannungsmassage. Nach einiger Zeit lässt der Druck gleichmäßig nach und baut sich nach einem Intervall neu auf.

Liposuktion

Eine Liposuktion ist die einzige Möglichkeit die krankhaft erhöhte Fettzellenmenge zu verringern.

Vorteile:

  • Weniger Fettgewebe = weniger Einlagerungsmöglichkeiten für Flüssigkeit
  • Viele berichten über eine Verbesserung der Schmerzempfindlichkeit
  • Die Proportionen werden optisch angeglichen

Nachteile: 

  • Eine Verbesserung der Schmerzempfindlichkeit ist nicht garantiert
  • Die Fettzellen können neu gebildet werden – es ist also keine langfristige Lösung
  • Hohe OP-Kosten

Die Kosten können zwischen 2000€ und 10000€ liegen und werden selten von der Krankenkasse übernommen. Nur bei Stadium 3 gibt es seit Januar 2020 Unterstützung durch die gesetzlichen Krankenkassen. Allerdings gibt es auch hier immer wieder Ausnahmen. Wer auf der sicheren Seite sein will: nachfragen.

Bereiche die für eine Liposuktion beim Lipödem in Frage kommen:

  • Beine außen von der Hüfte bis zum Fußgelenk
  • Arme von der Schulter bis zum Unterarm
  • Beine innen von der Leiste bis zum Fußgelenk

Zusätzlich zu den medizinischen Therapien ist ein gesundes Körpergewicht die effektivste Methode, um ein Lipödem zu bekämpfen. Must have beim Leben mit Lipödem sind daher: Bewegung und gesunde Ernährung.

Wie kann Sport bei einem Lipödem helfen?

Wenn du regelmäßig Sport machst, sorgst du nicht nur für einen leistungsfähigeren Körper. Die Bewegung feuert das Lymphsystem an, sodass die Wassereinlagerungen, die den drückenden Schmerz verursachen, ausgeschieden werden. Außerdem wird dein Gewicht gehalten oder Übergewicht abgebaut  – perfekte Voraussetzung um die Lipödembeschwerden in den Griff zu kriegen.

Welcher Sport ist gut für mich mit Lipödem?

Bewegung ist bei einem Lipödem das Must have, um Wassereinlagerungen ab- und Kraft aufzubauen. Egal ob du spazieren gehst oder eine Sportart ausübst… mach alles in deinem Tempo und schaue, was dir gut tut. Aber mach es! Denn der Grundsatz ist: egal was, Hauptsache bewegen.

 

  • Perfekt sind alle Sportarten, die im Wasser stattfinden, da man sich durch die Auftriebskraft leichter und beweglicher fühlt – klassisches Schwimmen oder vielleicht mal fancy Aqua-Zumba? Die Gelenke werden auch noch geschont… was will man mehr?
  • Keine Wasserratte? Dann ab auf’s Rad oder an die Geräte im Fitnessstudio.
  • Eine Sportart, die sich zuerst schwierig anhört, aber bei frühen Stadien trotzdem funktionieren kann ist joggen oder walken. Wer sowieso schon nur unter Schmerzen seine Beine anheben kann, denkt sich jetzt „Wie soll das denn gehen?“. Doch beim Laufen wird die Skelettmuskulatur der unteren Extremitäten und der tiefen Rumpfmuskulatur angeregt. Durch den zusätzlichen Muskeldruck wird das Lymphsystem bei der Entwässerung des Gewebes unterstützt. Entzündungsbotenstoffe werden abtransportiert und Schmerzen gelindert. Durch Kompressionskleidung wird dieser Effekt sogar noch verstärkt.

Wie kann Ernährung bei einem Lipödem helfen?

Schmerzen können bei einem Lipödem nicht nur aufgrund von Wassereinlagerungen entstehen. Auch schleichende Entzündungen können die Nerven reizen und zu noch stärkeren Wassereinlagerungen führen.

Eine ketogene Ernährung hemmt die Entzündungsprozesse, die bei einer Lipödemerkrankung entstehen können.

Entscheidende Kriterien für eine ketogene Ernährung sind:

  • Sehr kohlenhydratarme Ernährung
  • Insulinausschüttung minimal
  • Fettverbrennung stark erhöht
  • Leber produziert Ketonkörper aus Fettsäuren

Dadurch, dass weniger Kohlenhydrate durch die Nahrung aufgenommen werden, wird auch weniger Wasser im Körper eingelagert. Das bedeutet: weniger Schwellungen und dadurch auch weniger Schmerzen. 

Beim Lipödem-Programm von Foodpunk verzichten wir zusätzlich auf Milchprodukte, da sie bei manchen Menschen zu Entzündungen und Wassereinlagerungen im Körper führen können.

Wie kann ich erkennen, ob ich ein Lipödem habe?

Last but not least, haben wir dir einen Fragenkatalog erstellt, bei dem du selbst testen kannst, ob du möglicherweise an einem Lipödem leidest. Falls du vieles davon mit „Ja“ beantworten kannst, vereinbare am Besten einen Termin mit deinem Lymphologen.

 

  • Hast du eine auffallend unproportionale Fettverteilung zwischen Ober- unter Unterkörper?
  • Sind deine Hände und Füße nicht von den Schwellungen betroffen?
  • Hast du immer wieder blaue Flecken (Hämatome), ohne zu wissen, woher sie kommen?
  • Fühlen sich deine Beine schwer an, wenn du mehrere Stockwerke hochlaufen musst?
  • Schwellen deine Ober- oder Unterschenkel im Laufe des Tages merklich an?
  • Hast du auch noch Schmerzen an den Beinen, wenn du abends ruhig im Bett liegst?
  • Haben deine Beschwerden in der Pubertät, nach der Schwangerschaft oder in den Wechseljahren begonnen bzw. zugenommen?
  • Leiden weibliche Verwandte unter ähnlichen Symptomen?
  • Hast du ausgeprägte Cellulite an den Beinen?
  • Empfindest du häufig Schmerzen bei Berührungen?
  • Nimmst du an den Beinen trotz richtiger Diät und regelmäßigem Sport nicht ab?
  • Nimmst du kontinuierlich (v.a. an den Beinen) zu, obwohl du auf deine Ernährung achtest?

Du möchtest deine Ernährung mit kompetenter Unterstützung umstellen und dabei auch noch deine Lipödem-Beschwerden lindern?

Mit einem individuell auf dich zugeschnittenen Ernährungsplan zeigen wir dir, was dir und deinem Körper gut tut. Außerdem gibt es bei unserem Lipödemprogramm noch viele tiefergehende Informationen & wertvolle Tipps und Tricks, wie du dein Leben mit Lipödem durch Sport und Ernährung bestmöglich verbessern kannst.