Unser Körper ist rund um die Uhr potentiellen Krankheitserregern ausgesetzt. Sie sind winzig klein und mit dem bloßen Auge nicht sichtbar, doch trotzdem sind sie überall: ob auf unserem Smartphone, den Türklinken oder in der U-Bahn-Luft. Damit wir aber trotzdem nicht 24/7 krank sind, besitzen wir ein kompliziertes, ausgeklügeltes System, das Tag und Nacht auf Hochtouren läuft: unser Immunsystem. Doch was genau ist das eigentlich? Was läuft denn da in unserem Körper ab, damit wir vor allen möglichen Krankheitserregern geschützt werden? Und was passiert, wenn unser Immunsystem verrückt spielt?

Immunologie und Immunsystem – Aufgaben und Funktion

Immunologie ist die Lehre der Abwehrmechanismen des Körpers gegen Krankheitserreger. Sie befasst sich also mit dem Immunsystem des Menschen.

Das Immunsystem soll uns vor eindringenden Krankheitserregern (Pathogenen) wie Bakterien, Viren, Pilzen oder Parasiten schützen. Auch eigene Körperzellen, die sich verändern und bösartig werden könnten (wie im Falle von Krebs), muss das Immunsystem unter Kontrolle haben. Es ist ein sehr komplexes System mit vielen einzelnen Komponenten, die miteinander interagieren.

Dabei besteht das Immunsystem aus zwei verschiedenen Systemen: der angeborenen (innaten) und der erworbenen (adaptiven) Abwehr des Körpers. Beide Formen übernehmen unterschiedliche Aufgaben, sind jedoch auch voneinander abhängig. Das Zusammenspiel von erworbenem und angeborenem Immunsystem macht unseren Organismus extrem effektiv wenn es um die Bekämpfung von Krankheitserregern geht.

Angeborene und erworbene Immunantwort

Die angeborene Immunantwort ist schnell und unspezifisch. Sie richtet sich gegen alle möglichen Krankheitserreger, die dem Körper zu nahe kommen. Dazu gehören Barrieren wie Haut-und Schleimhäute oder auch die Darmflora und Zellen, die allzeit bereit sind Eindringlinge schnell zu bekämpfen. Schlagen wir uns zum Beispiel das Knie auf, sorgt dieser Teil des Immunsystems dafür, dass eindringende Bakterien sofort bekämpft werden. Viele Infektionen können somit vom angeborenen System erfolgreich abgewendet werden. Sollte das nicht klappen, wird als Folge das erworbene System angeworfen und löst eine Immunreaktion aus.

Das erworbene Immunsystem ist im Gegensatz zum angeborenen langsam und sehr spezifisch. Es kann Krankheitserreger gezielt abwehren und entwickelt dabei eine Art Gedächtnis. Das bedeutet, man ist häufig ein Leben lang immun gegen diesen bekämpften Erreger. Unser Körper entwickelt ganz spezifische Antikörper gegen ganz spezifische Schädlinge (Antigene). Als Beispiel kann man einige Kinderkrankheiten nach einmaliger Infektion nicht wieder bekommen. Das Immunsystem hat sich gemerkt, wie diese Krankheitserreger aussehen und bekämpft sie effektiv, wenn sie uns später im Leben wieder begegnen. Dieses Gedächtnis wächst im Laufe unseres Lebens immer weiter. Eine Impfung kann übrigens genau dieselbe Reaktion hervorrufen: durch die gezielte Gabe von Impfstoffen, erinnert sich unser Körper an die Erreger, wenn sie uns auf der Straße erwischen. Wir werden immun.

Die Zellen des Immunsystems

Wir wissen jetzt, dass unser Immunsystem zwei verschiedene Formen der Abwehr besitzt. Eine schnelle und eine langsame. Doch welche Zellen sind hierbei eigentlich beteiligt?

Die Leukozyten sind die wichtigsten Zellen des Immunsystems. Vielleicht kennst du sie unter dem Namen „weiße Blutkörperchen“? Sie werden im Knochenmark gebildet und werden noch in viele weitere Zelltypen unterteilt: Granulozyten, Lymphozyten und Monozyten beschreiben die nächste Unterteilung der Leukozyten. Das klingt jetzt zugegebenermaßen erst einmal sehr stark nach Biologievorlesung. Wenn wir jedoch erklären, was die unterschiedlichen Zellen für Aufgaben erledigen, sollte alles etwas einfacher erscheinen. Gehen wir Schritt für Schritt vor:

Granulozyten

Sie sind diejenigen, die Schädlinge sofort bekämpfen wenn sie uns zu nahe kommen. Sie können aus dem Blut zu den betroffenen Geweben wandern (beispielsweise dem aufgeschlagenen Knie) und knocken mögliche Krankheitserreger dort direkt aus.

Lymphozyten

Diese weißen Blutzellen spielen eine sehr wichtige Rolle während der erworbenen Immunantwort. Also der, mit dem langen Gedächtnis. Damit es nicht langweilig wird, werden diese Zellen wieder unterteilt – in B-und T-Lymphozyten. Die B-Zellen können spezifische Antikörper bilden, während die T-Zellen die Abwehraufgabe koordinieren. Um nicht zu sehr ins Detail zu gehen, merken wir uns einfach, dass diese T-Zellen eine Menge anderer Zellen aktivieren, um Fremdstoffe abwehren zu können. Z.B. T-Helferzellen oder T-Killerzellen.

Monozyten

Last but not least gehören Monozyten zu den weißen Blutzellen. Ähnlich wie die Granulozyten können sie ins Gewebe wandern und bekämpfen dort an vorderster Front Krankheitserreger. Sie können sie aufnehmen und kaputt machen oder auch speichern. Weil diese Zellen den „Gegner“ im wahrsten Sinne des Wortes auffressen, werden sie häufig auch als Fresszellen bezeichnet. Das Fachwort hierfür ist Phagozyt. Klingt aber aus unserer Sicht nicht so toll wie Fresszelle 😉

Botenstoffe

Zusätzlich zu diesen Leukozyten, sind auch noch eine Reihe weiterer Botenstoffe an unseren Immunreaktionen beteiligt. Zum Beispiel Proteine, wie Interleukine oder Interferone. Sie können unter anderem Immunzellen anlocken und dienen somit der Informationsweitergabe.

Antikörper, Antigene und Allergene – was ist das genau?

Wir haben es bei der spezifischen Immunantwort bereits kurz erwähnt: Antikörper und Antigene. Aber was genau ist das eigentlich? Und was hat es mit Allergenen auf sich?

Antigene

Als Antigene werden bestimmte Oberflächenstrukturen auf Krankheitserregern und anderen Substanzen bezeichnet, die vom erworbenen Immunsystem erkannt werden können und daraufhin von genau diesem Immunsystem auch bekämpft werden können. Das bedeutet sie lösen eine Immunreaktion aus.

Antikörper

Antiköper sind Moleküle, die Antigene extrem spezifisch bekämpfen können. Ähnlich wie nur ein bestimmter Schlüssel in ein Schloss passt, richten sich Antikörper immer gezielt gegen Antigene. Antiköper nennt man auch Immunglobuline (Abkürzung „Ig)“. Es gibt verschiedene, aber vielleicht hast du schon einmal von Immunglobulin E gehört (IgE)? IgE wird häufig im Blut gemessen. Ist es erhöht, liegt eine verstärkte Immunreaktion vor, zum Beispiel aufgrund einer Allergie.

Allergene

Allergene sind Antigene, die eine allergische Reaktion hervorrufen. Sie sind im Gegensatz zu den „klassischen“ Antigenen jedoch eigentlich harmlose Substanzen, die in manchen Fällen jedoch eine Immunreaktion auslösen können. Auch wenn es unfair ist, sind so zum Beispiel manche Menschen gegen Pollen und Gräser allergisch, viele jedoch nicht. Diese Allergene sind immer Stoffe, die von außen in den Körper kommen.

Autoimmunerkrankungen – wenn das Immunsystem verrückt spielt

Im Gegensatz zu den Allergien sind Autoimmunerkrankungen Reaktionen, die sich gegen körpereigene Stoffe oder Strukturen wenden. Im Falle des Hashimoto bildet der Körper beispielsweise Antikörper gegen die eigene Schilddrüse, wodurch deren Funktion eingeschränkt wird. Patienten des Typ 1 Diabetes weisen eine Reaktion des Immunsystems gegen die eigene Bauchspeicheldrüse auf. Als Folge kann nicht mehr ausreichend Insulin produziert werden, um Glucose im Blut abzubauen.

Warum unser Immunsystem manchmal verrückt spielt und den eigenen Körper angreift, kann viele verschiedene Ursachen haben. Häufig ist es ein Zusammenspiel aus Genetik, Stress, Infektionen, Hormonen und Ernährung. Im Bereich Ernährung gibt es mittlerweile einen erfolgsversprechenden Ansatz, der helfen soll, Autoimmunerkrankungen durch die richtige Lebensmittelwahl positiv zu beeinflussen. Wir haben einen interessanten Artikel über dieses sogenannte Autoimmunprotokoll, den du HIER nachlesen kannst.

Histaminintoleranz

Vielleicht hast du schon einmal davon gehört, dass manche Menschen eine Histaminintoleranz haben? In diesen Fällen muss eine histaminarme Ernährung eingehalten werden, um Reaktionen wie Quaddeln, Übelkeit oder Kopfschmerzen zu vermeiden. Aber was ist eine Histaminintoleranz eigentlich?

Histamin gehört ebenfalls zu den bereits erwähnten Botenstoffen und spielt deshalb auch eine Rolle bei der Immunabwehr. Außerdem kommt es natürlicherweise in einer Vielzahl an Lebensmitteln vor. Ein gesunder Körper kann mit diesen Mengen an Histamin ohne Probleme umgehen. Im Falle einer Histaminintoleranz führt die Aufnahme von histaminreichen Lebensmitteln jedoch zu Problemen. Es wird vermutet, dass der Abbau des Histamins nach der Aufnahme gestört ist, die Menge an Histamin im Körper somit ungewöhnlich hoch wird und als Folge bereits genannte Symptome auftreten.

Foodpunk Ernährungspläne

Wir hoffen, wir konnten dir mit diesem Artikel einen übersichtlichen Einblick in die Grundlagen unseres Immunsystems geben.

Wusstest du eigentlich schon, dass wir in unseren Ernährungsplänen sowohl Rezepte anbieten, die sich für Autoimmunkrankheiten, als auch Histaminintoleranz eignen?  In unserer App können wir ganz individuell auf verschiedene Unverträglichkeiten und Gesundheitsprobleme eingehen. Sogenannte AIP (Autoimmunprotokoll)- und histaminarme Gerichte sind kein Problem. HIER erfährst du mehr.

Bild 1: Ernährung und Immunsystem. shutterstock.com/bitt24

Bild 2: Immunzellen attackieren einen Virus. shutterstock.com/Yurchanka_Siarhei

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Luisa ist die Autorin dieses Artikels. Sie hat an der TU München ihren Bachelor in Ernährungswissenschaft und ihren Master in Nutrition and Biomedicine erfolgreich abgeschlossen. Nachdem sie einige Jahre in der Diabetes- und Adipositasforschung gearbeitet hat, wurde sie Teil des Foodpunk-Teams, wo sie nun die Science-Redaktion leitet.

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