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Eine neue Wunderdiät bahnt sich den Weg in das Rampenlicht. „Abnehmen wie Adele“, „Abnehmen ohne Hunger“, „Mit dieser Diät nehmen Sie ab und bauen Muskeln auf.“ lauten ein paar der Schlagzeilen, mit denen sie sich brüstet. Seitdem die Sängerin Adele den Verlust von mehr als 40 Kilogramm dieser Ernährungsform zuschreibt, finden sich immer mehr neue Anhänger der Wunderkur. Die Rede ist von der sogenannten Sirtfood-Diät.

Ob das Ganze nur ein ziemlich cleverer Marketingzug der US-amerikanischen Ernährungswissenschaftler Aiden Goggins und Glen Metten ist (sie haben die Idee dieser Diät populär gemacht) oder ob wir ab jetzt vielleicht doch alle überlegen sollten, das Sirt-Prinzip zu übernehmen, klären wir in diesem Beitrag.

Was ist die Sirtfood-Diät?

Der Grundgedanke dieser hippen Ernährungsform ist folgender: Bestimmte Lebensmittel (man nennt sie „Sirtfoods“) könnten im Körper sogenannte Sirtuine (Proteine) aktivieren. Diesen Proteinen wiederum wird nachgesagt, dass sie viele positive Effekte auslösen würden. Dazu zählen zum Beispiel:

  • verzögerte Alterung
  • weniger Entzündungen
  • weniger Zellschäden
  • Schutz vor Herz-Kreislauferkrankungen
  • weniger Heißhunger
  • höhere Fettverbrennung
  • höherer Muskelaufbau
  • Stärkung des Immunsystems

Wow! Was will man mehr? Den Versprechen zu urteilen, sollte man das doch auf jeden Fall selbst auch mal probieren. Oder?

Diese Frage beantworten wir gleich, vorher erklären wir erst noch ein paar Details zur Sirtfood-Diät.

Welche Lebensmittel versprechen denn nun diese tollen Effekte?

 

 

FOODPUNK ist ein preisgekröntes Startup aus München. Wir sind ein Team aus Experten der Ernährungswissenschaft und Biochemie. Wir erstellen smarte Ernährungsprogramme, damit du dein Ziel effektiv erreichst.

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Die „magischen“ Sirtfoods

Die „Sirtfood-Superfoods“ mit magischen Eigenschaften sind vor allem pflanzliche Lebensmittel. Das klingt ja erst einmal nicht so sehr nach Hokuspokus.

Zu den Sirtfoods zählen unter anderem:

  • Grünkohl
  • Äpfel
  • Blaubeeren
  • Kapern
  • Petersilie
  • Zitrusfrüchte
  • Kurkuma
  • Granatäpfel
  • Dunkle Schokolade
  • Rote Zwiebeln
  • Knoblauch
  • Rucola
  • Grüner Tee
  • Rotwein
  • Kaffee

Wer sich jetzt denkt: „Geil, Kaffee, Schoki und Rotwein den ganzen Tag und ich nehme ab!“, soll diesen Artikel bitte bis zum Ende lesen.

Das Sirtfood-Prinzip

Das Prinzip der Diät besteht im Grundgedanken darin, besonders viele der pflanzlichen Lebensmittel auf den Speiseplan zu packen, damit diese dann den ultimativen Fatburnboost im Körper anschmeißen und auf ewig jung halten (also theoretisch 😉).

Dabei gibt es zum Einstieg in die Sirtfood-Diät folgendes weit verbreitetes Protokoll:

In den ersten 3 Tagen werden 1000 Kalorien pro Tag „gegessen“ – die Zufuhr der Energie wird vor allem über Säfte aus Sirtfoods gedeckt. Also zum Beispiel entsafteter Grünkohl, Spinat und Apfel in Kombination mit Zitrone. Im Anschluss werden die täglichen Kalorien für den Rest der Woche auf 1500 erhöht. Es werden auch hier überwiegend grüne Säfte, in Kombination mit sirtfood-reichen Lebensmitteln konsumiert. Nach dieser zweiten Phase werden die Kalorien wieder angehoben – ab und zu ist von 1800 Kalorien die Rede, die beliebig lange verfolgt werden können. Hierzu unterscheiden sich die zu findenden Angaben jedoch. Die Teller werden mit Gerichten vollgepackt, die so viele der „Superfoods“ enthalten wie möglich. Auch „normale“ Lebensmittel dürfen dann wieder gegessen werden.

Hintergrund: Was sind Sirtuine?

Der Mensch besitzt nach derzeitigem Wissensstand 7 verschiedene Sirtuine – SIRT1 bis SIRT7. Sie alle sind Enzyme, die durch ihre Aktivität Einfluss auf zahlreiche Stoffwechselvorgänge nehmen können. So scheinen sie Proteine zu modifizieren, die bei verschiedenen Krankheiten eine Schlüsselrolle spielen – beispielsweise bei Krebs, Adipositas, Diabetes oder Alzheimer.

SIRT1 wurde vor allem in Experimenten mit Hefen als „Anti-Aging-Enzym“ nachgewiesen, da es in diesem Modellorganismus die Lebenszeit verlängern konnte. Es soll oxidativen Stress und DNA-Schäden verringern können.

Sirtuine gehören zu den sogenannten „Histon-Deacetylasen“, also Enzymen, die Histone (sie sind ein Teil der „DNA-Verpackung“) verändern können. Durch diese Proteine wird die Transkription von Genen, die Epigenetik, der Zellzyklus und die Entwicklung des Organismus geregelt.

Die Sirtfood-Diät basiert nun auf der Idee, dass durch die gezielte Aktivierung der Sirtuine (durch den Verzehr von bestimmten Lebensmitteln) unter anderem mehr Fett verbrannt und der Alterungsprozess verzögert wird. Das Antioxidans Resveratrol (aus Rotwein bekannt) wird in zahlreichen Studien als „Sirtuin-Aktivator“ untersucht. Da bisherige Studien aus dem „Sirt-Bereich“ jedoch nicht einfach auf den Menschen übertragen werden können, ist der gewünschte Effekt zum jetzigen Zeitpunkt mehr eine Idee als eine Tatsache.

Die Sirtfood-Diät – hop oder top?

Aber jetzt mal Butter bei die Fische. Ist das alles vollkommener Schwachsinn oder sollten wir vielleicht ab jetzt alle „sirt-fooden“?

Wir klären auf:

Studienergebnisse am Menschen fehlen

Nach derzeitigem Wissensstand der Forschung gibt es keinerlei Hinweise darauf, dass eine solche Diät tatsächlich die Sirtuine im Körper „ankurbeln“ kann, um somit deren propagierte benefits hervorzurufen. Studien zu Sirtuinen stammen vor allem aus Hefen und Tierversuchen und können natürlich nicht einfach auf den Menschen übertragen werden.

Zu wenig Sirtuinaktivatoren in den Lebensmitteln

Man geht davon aus, dass gar nicht die erforderlichen Mengen an Sirtfoods aufgenommen werden können, um die Sirtuine ausreichend zu aktivieren. Das wird am Beispiel von Rotwein sichtbar, welcher ebenfalls zu den „guten Lebensmitteln“ einer Sirtfood-Diät zählt: Man müsste 40 Gläser Rotwein trinken, um eine genügend hohe Menge an Resveratrol (ein Antioxidans, das ein bestimmtes Sirtuin (=SIRT1) stimuliert) damit aufnehmen zu können. Wir sind uns denke ich einig, dass das nicht die Lösung sein kann. Es gibt außerdem Hinweise, dass beispielsweise der Einfluss von SIRT1 auf den Hunger von Mensch zu Mensch ganz unterschiedlich ist und bei manchen sogar vermehrt Hunger auslösen könnte.

Keine langfristige Ernährungsform?

Es werden bei der Sirtfood-Diät sehr schnelle Gewichtsverluste in kürzester Zeit propagiert. Es sind aber meist genau diese Crashdiäten, die in der Regel auf lange Sicht keine Erfolge verbuchen können. Dabei ist es übrigens nicht verwunderlich, dass man in den wenigen Tagen, mit solch reduzierten Energiemengen gut abnimmt. Der Gewichtsverlust rührt dabei aber vor allem von Wasser, das man verliert. Hier gilt außerdem: Man sollte nie länger als ein paar Tage ein solches Kaloriendefizit verfolgen, denn auf Dauer fährt der Stoffwechsel sonst in einen Energiesparmodus und verbraucht weniger Energie. In der Folge kommen zusätzliche Kilos ganz schnell wieder auf die Hüften. Ein Jojo-Effekt ist also vorprogrammiert, wenn man zulange an den anfänglichen sehr geringen Kalorienmengen festhält. Da der Leitfaden für das „nach der Anfangsphase“ häufig nicht ganz klar definiert ist, sehen wir die Gefahr, dass viele „Sirtfooder“ sich weiterhin an den sehr geringen Kalorienmengen orientieren.

Aus unserer Sicht geht es hierbei nicht um eine langfristige, gesunde und nachhaltige Ernährungsumstellung und auch individuelle Werte wie Größe, Gewicht oder sportliche Aktivitäten scheinen keine Rolle zu spielen (warum wir bei Foodpunk individuelle Pläne erstellen, kannst du in diesem Artikel nachlesen).

Was ist mit Proteinen und Fetten?

Diese neue Trend-Diät hat nach unserer Meinung einen weiteren, ganz großen Haken: Eine adäquate Protein- und Fettaufnahme wird scheinbar zur Nebensache. Zwar wird die Ergänzung mit Fleisch oder ähnlichem geraten, die Sirtfoods stehen aber im Rampenlicht – ein für uns nicht vollständiger Ansatz. Der Körper benötigt sowohl hochwertige Proteinquellen (z.B. Eier) als auch gesunde Fette (z.B. aus Olivenöl) – beides ist für eine Vielzahl an Körperfunktionen unerlässlich. Ein vollständiger und gesunder Ernährungsansatz bezieht diese Faktoren ebenfalls ausreichend mit ein – und zwar mit der gleichen Priorität wie frisches Gemüse und Obst.

 

Rotwein und Schokolade en masse?

Wir sind außerdem der Meinung, dass Rotwein und Schokolade auf keiner „To-Do-Liste“ für eine gesunde und vielfältige Ernährung stehen sollten. Sicherlich ist der Verzehr in Maßen und ab und an ok, das Ganze aber mit einem Gesundheitsaspekt zu verknüpfen, erscheint uns nicht richtig. Hochwertiger Kakao ist sogar eigentlich ein richtig tolles Lebensmittel, konventionelle Schokoladen enthalten jedoch vor allem Zucker, Aromen und Milchpulver und gehören somit eher in die „ungesunde Schublade“.

Einen Pluspunkt gibt es aber trotzdem

Zu guter Letzt möchten wir noch einen positiven Aspekt ansprechen: Die Sirtfoods sind im Allgemeinen (bis auf Wein und Schokolade) gesunde, frische, pflanzliche Lebensmittel, die es auf jeden Fall mehr als verdient haben in Einkaufskörben zu landen. Sie sind ballastoff- und nährstoffreich. Sie sollten jedoch ein Teil einer ausgewogenen und vielfältigen Ernährung mit noch vielen weiteren Lebensmitteln sein. Iss sie nicht, weil sie angeblich deine „Schlankgene“ aktivieren oder auf magische Weise „Muskeln aufbauen“, sondern weil sie dich mit allerhand Ballast- und Nährstoffen versorgen.

Das Foodpunk-Fazit

Es ist sicherlich eine gute Idee Sirtfoods regelmäßig in den Speiseplan einzubauen. Wenn auch ihre Wirkungen auf die Sirtuine im Körper nicht belegt sind, sind sie tolle Lebensmittel, die eine Menge an Nährstoffen mit sich bringen.

Um langfristig gesund zu leben und das Wunschgewicht zu erreichen, ist die Kombination an Frische und Vielfalt mit einer angemessenen und individuell bestimmten Zufuhr aller drei Makronährstoffe (Kohlenhydrate, Proteine, Fett) aus unserer Sicht das beste „Superfood“. Das bedeutet: Neben eben allerlei buntem Gemüse und Obst (nicht nur aus der Sirtfood-Liste!) sollte man auch auf eine adäquate Zufuhr an hochwertigem Protein durch Eier, Fleisch oder Fisch und guten Fetten aus Oliven, Kokosöl und Co. bauen. Verpackt in einfachen und leckeren Rezepten wird so jede Art von „Crash-Diät“ vollkommen unnötig.

Du hast Bock auf genau solch eine Ernährung? Ohne Hollywood-Hokuspokus? Eine Ernährungsform, die sich nicht auf Spekulationen, sondern Tatsachen beruft? Mit langfristigen Erfolgen und individuellen Berechnungen? Dann schau dich doch mal bei uns um! In unserem Ernährungsplan bieten wir dir leckere Gerichte, die alle deine Ziele und Wünsche einschließen und auf dich maßgeschneidert berechnet werden.

Tschüss 08/15-Hollywood-Hokuspokus-Plan, Hallo Foodpunk!

By the way: Es wird gemunkelt, dass Adele neben der Sirtfood-Diät täglich 60 Minuten Sport getrieben hat. Ob die starke Abnahme also allein auf den Einschluss von ein paar Lebensmitteln zurückzuführen ist, lassen wir an diesem Punkt dahingestellt.

Abnehmen mit Rotwein und Schokolade

Übrigens: Auf YouTube hat Foodpunk Gründerin Marina die Sirtfood Diät auch noch einmal anschaulich erläutert. Dazu gibt’s etwas Hintergrundwissen zur Epigenetik und zu Enzymen.

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Luisa ist die Autorin dieses Artikels. Sie hat an der TU München ihren Bachelor in Ernährungswissenschaft und ihren Master in Nutrition and Biomedicine erfolgreich abgeschlossen. Nachdem sie einige Jahre in der Diabetes- und Adipositasforschung gearbeitet hat, wurde sie Teil des Foodpunk-Teams, wo sie nun die Science-Redaktion leitet.

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