Wann und wie bist du darauf gekommen, „besserfleisch“ zu gründen?

Ich war lange in China und habe dort auf Fleisch verzichtet – einfach weil ich dort nicht nachvollziehen kann, woher es kommt. Bei einem Deutschlandbesuch wollte ich mir dann ein Stück Biofleisch gönnen und bin voller Vorfreude losgestiefelt –  und wurde zutiefst enttäuscht. Die Metzger der Stadt hatten kein Biofleisch, und im Supermarkt garantiert mir ein Biosiegel nicht viel. Das hat mir einfach nicht gereicht. Ich will ganz genau wissen, welchen Bauern und welche Tierhaltung ich mit meinem Kauf unterstütze. Ein Küchentischgespräch mit Freunden hat dann alles ins Rollen gebracht. Die Idee, Fleisch aus artgerechter Tierhaltung unkompliziert im Internet anzubieten, hat mich nicht mehr losgelassen.

Die Idee ist natürlich gut – doch ganz so einfach geht es sicherlich nicht. Mit welchen Schwierigkeiten hattest du am Anfang zu kämpfen?

Ich bin weder Landwirtin noch Schlachterin – ich war mir am Anfang unsicher, ob meine Kenntnisse ausreichen. Ich habe lange gebraucht, bis ich ich mutig genug war, loszulegen. Mittlerweile weiß ich: Genau DAS war mein Vorteil. Ich bin aus der Rolle des „Verbrauchers“ eingestiegen. Der Fokus lag immer auf der Frage „Was würde ich gerne kaufen?“, anstatt „Wie funktioniert der Markt?“ Immer wenn mir jemand sagte: „Das geht nicht“, habe ich Fragen gestellt – und am Ende ging es dann meist doch. Später ist dann Brian mit eingestiegen, und er bringt das nötige Fachwissen aus dem Öko-Agrarmanagement-Studium mit.

Nach welchen Kriterien sucht ihr eure Höfe aus?

Die Tierhaltung hat oberste Priorität. Wir arbeiten nur mit Höfen zusammen, bei denen die Rinder entweder ganzjährig draußen sind, oder im Winter in einem offenen, sonnigem und luftigen Stall auf Stroh gehalten werden. Das Futter suchen sich die Rinder im Sommer auf der Weide selbst, im Winter darf nur mit Heu, Heulage oder Kleegrassilage zugefüttert werden. Alles so naturverbunden wie möglich: Hörner bleiben dran, die Kälber wachsen bei der Mutterkuh auf, keine künstliche Besamung – eben ein natürliches Rinderleben in der Herde. Wichtig ist uns auch der Bauer als Person – wir brauchen motivierte und kommunikative Menschen, die uns gerne auf dem Hof sehen und mit Fotoapparat auf der Weide herumführen.

Gutes Fleisch – das gilt für gute und gesunde Ernährung überhaupt – ist teuer. So wird es zumindest immer – im wahrsten Sinne des Wortes – verkauft. Du sagst, dass es euren Rindern gut geht, dass sie gesund und bio sind – aber dennoch bezahlbar – wie kam die Idee, eine Kuh zu teilen? Und wie geht das denn vonstatten?

Die Idee mit dem Teilen war am Anfang reiner Pragmatismus: Wir hatten ja weder Lager, noch Zeit und Geld für eine große Lagerverwaltung. Jetzt machen wir es so: Der Bauer sagt uns Bescheid, wenn er ein „schlachtreifes“ Rind für uns hat. Wir stellen dann alle Infos zum Rind online und versenden unsere Infomail. Dann können 40 Kunden ihre Vorbestellung abschicken, für jeden gibt es ein 5 kg-Paket. Wir haben ein Grillpaket, ein Schmorpaket und ein Gourmet-Paket, damit jeder Gaumen glücklich wird. Das Rind bleibt so lange auf der Weide, bis es komplett verkauft ist.

Heißt, die Kuh ist „aufgeteilt“ und dann wird versandt? Wie lange muss man dann auf seine Bestellung warten?

Ein bisschen Geduld sollte man für uns mitbringen. Die 40 Pakete sind zwar nach etwa zwei Tagen verkauft, aber dann geht’s erst los: Unser Bauer bringt das Rind zur Schlachterei, dort wird geschlachtet und das Fleisch ganz traditionell am Knochen gereift. Die Trockenreifung ist wichtig für den Geschmack, und dauert etwa 3 bis 4 Wochen. Vom Bestellklick bis zum Paketauspacken vergehen in etwa 5 Wochen.

Wir alle wissen, wie es in der industriellen Tierhaltung zugeht. Tiere leiden, Tiere werden mit Medikamenten vollgestopft, damit sie schön fett werden. Um ein Zeichen zu setzen, verzichten viele Menschen ganz auf Fleisch. War das für dich auch eine Option?

Nein. Aus zwei Gründen. Ich esse Fleisch zwar nicht oft, aber dafür sehr gerne. Ab und zu möchte ich mir ein deftiges Gulasch kochen – und das mit gutem Gewissen essen können. Darüberhinaus denke ich: Wenn ich als Reaktion auf die industriellen Betriebe mit meinem Fleischkonsum komplett aufhöre – dann bleibt zwar der Industrie mein Geld verwehrt – aber auch dem kleinen Bauern, der es richtig macht. Mir ist es daher wichtiger ein positives Zeichen zu setzen, und mein Geld an der richtigen Stelle zu investieren.

Wie siehst du den Trend? Fleisch wird viel gegessen und vor allem Fleisch wird billig angeboten – da weiß man eigentlich schon um die Qualität des Produktes. Dennoch wird es gekauft. Glaubst du, dass sich das in Zukunft verändern wird?

Viele Menschen wünschen sich Qualität und bessere Haltungsbedingungen. Aber die Umsätze der Fleischindustrie zeigen etwas anderes: Die meisten Deutschen kaufen wie gewohnt die Massenware. Das ist kein Zufall, denn die Fleischindustrie ist eine riesige Maschinerie mit starker Lobby und ausgeklügeltem Marketing. Endverbraucher wissen meist gar nicht, was da im Regal liegt. Über kaum ein Produkt wissen wir so wenig wie über Fleisch. So lange das so bleibt, wird sich auch am Kaufverhalten nichts ändern. Die Billigware wird weiter produziert und verkauft.
Eine Lösung wären zum Beispiel mehr Vorgaben von der Politik. Wie bei Eiern – seitdem auf der Packung die Haltungsform zu lesen ist, werden viel weniger Eier aus Bodenhaltung gekauft. So etwas würde auch beim Fleisch helfen.

Welchen Traum habt ihr?

Es gibt richtig tolle Bauern und Schlachter, die ihrem Handwerk wirklich alle Ehre machen. Diese Menschen leisten Wundervolles, und das wollen wir sichtbar und zugänglich machen. Wir wollen es schaffen, durch unsere Arbeit eine Brücke zwischen bewussten Konsumenten, artgerechter Tierhaltung und ehrlichem Handwerk zu schlagen. Wenn das klappt, dann werden wir mit 90 Jahren selig in unseren Schaukelstühlen sitzen, mit einem breiten Grinsen bis hinter unsere schrumpeligen Ohren! 😉

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